„Heute sind aber viele kleine Menschen da“, sagt die Grille mit Blick ins Publikum zur Fee. Und damit hat sie Recht: Die Schulaufführung des diesjährigen Familienstückes des Staatstheaters im Karlsruher Konzerthaus ist voll besetzt – dies verwundert nicht, denn das Junge Staatstheater nimmt sich in diesem Jahr der Bühnenfassung von Carlo Collodis „Pinocchio“ an, einem Kinderbuchklassiker, der seit über 100 Jahren von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen geliebt wird.

Mit dabei waren am Dienstagmorgen die Klassen 5a, 5b und 5c zusammen mit ihren Klassenlehrern und ihren Deutschlehrerinnen. Direkt von vor der Bühne, von den vordersten Rängen aus, konnten diese ein wahres Spektakel aus komödiantischen und träumerischen Szenen, gespickt mit fetzigen und ruhigen Liedern und Tanzeinlagen, verfolgen. Aus gutem Grund zählt die berühmte Erzählung des italienischen Autors Carlo Collodi zu den Klassikern der Literatur: Die zeitlose Frage, was einen guten Menschen ausmacht, trifft auf eine fantastische Heldenreise und eine berührende Familiengeschichte. Die Legende des vom Holzschnitzer Gepetto aus einem sprechenden Holzscheit geschnitzten „Pinocchio“ zog das junge Publikum in ihren Bann – gespannt verfolgten die Kinder die Abenteuer des hölzernen Jungen mit der bei Lügen wachsenden Nase. Aber auch die Besonderheit des Theaters als solches konnten die jungen Zuschauer erfahren: Anders als im Kino wurde hier das Publikum immer wieder direkt angesprochen, Geräusche wurden nicht etwa eingespielt, sondern direkt auf der Bühne von der blauen Fee namens Fata Blue, gespielt von Salma Kiem, produziert. Mit Ukulele, Gitarre, Schlagzeug, Xylophon, Gesang und vielen weiteren Instrumenten und Utensilien untermalte sie das Geschehen auf der Bühne punktgenau. So begleitete sie etwa das Öffnen einer Tür wie auch die Verlängerung von Pinocchios Nase durch jeweils passende Geräusche. Am Ende des Stückes stellte die blaue Fee die Botschaft in den Raum, dass Pinocchio von ihr gar nicht erst in einen „richtigen“ Jungen verwandelt werden muss – denn er ist wie alle Kinder dieser Welt „ein richtiges Kind – egal, aus welchem Holz sie geschnitzt sind!“ Bei der anschließend lauthals geforderten Zugabe nutzten die jungen Zuschauer nur allzu gerne die Gelegenheit, mit den Darstellern zusammen das eingängige Titellied „Abenteuer“ vom Beginn zu singen.

Nach einer Vesperpause auf dem Platz vor dem Konzerthaus ging es mit der Straßenbahn S7 wieder zurück zum Bahnhof nach Bühl, wo die Fünftklässler schon von ihren Eltern erwartet wurden.

 

Text / Fotos: Katharina Ziegler, RS Rheinmünster